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Ottó Tolnai,
Ich kritzelte das Akazienwäldchen in mein Heft. Vier Erzählungen
Aus dem Ungarischen von György Buda und Géza Deréky
Mit einem Nachwort von Lajos Parti Nagy
ca. 150 Seiten, 11 x 17 cm, tapeziert mit Schutzumschlag
Sfr 20 / 12,00
ISBN 3-901118-49-7 / Reihe abrasch 3
edition per procura 2002


»Er kehrte mit einer kleinen
Waschschüssel aus Porzellan und mit einem glühendroten Bügeleisen in unser
Etagenzimmer Nummer 47 zurück.
Ein Jahr noch und die
Platanen werden bis in die Zimmer hineinwachsen, sagte ich. Das Badezimmer
wird repariert, sagte er und ließ die Schüssel mit Wasser vollaufen. Lange
saß er dann mitten im Zimmer in der Waschschüssel, preßte sein Kinn gegen
die Knie und durchnäßte den zerschlissenen, weinroten Teppich.
Ich schlief schon, als
er auf das Bett hinaufkletterte. Er legte sich noch nicht schlafen, lehnte
seinen nackten Rücken an die Wand. Ober seinem Kopf bildeten die zerdrückten
Wanzen einen Perlenkranz im Mondschein. Im Bügeleisen war die Glut schon
längst erloschen.«
Tolnais Erzählungen
umkreisen das Phänomen der Wahrnehmung: Minutiös spürt er dabei dem
untergründigen Kapillarsystem der Sprache nach, das unsere verschiedenen
Wahrnehmungen, Erinnerungen, Träume, Erlebtes, Gesehenes und Fiktives
verbindet. Häufig bleiben die Sprünge, die Schlichen der Perzeption, die
dieses Schreiben herstellen, das wiederum diese aufdeckt, rätselhaft
verborgen, häufig überfallen sie uns mit der Wucht einer Evidenz, wie sie
ansonsten nur der bildenden Kunst vorbehalten ist. Tolnais eigene
Faszination und intensive Beschäftigung mit Werken der Kunstgeschichte
könnte den einen Hintergrund für die Eindringlichkeit seiner sprachlichen
Bilder darstellen, den anderen bildet Tolnais eigenes Eingebundensein in
seine unmittelbare dörfliche Umgebung und Landschaft, deren oft
derb-trostlose Wirklichkeit er unge-schönt in seine Sprache zu katapultieren
versteht.
»Tolnai liebt das
Dazwischen, zum Beispiel das, was zwischen Exaktheit und
Orientierungs-verlust liegt. Und immer wieder sagt man von ihm, seine Sprache
liege zwischen dem Ton Rilkes und dem der Beatniks.«
(Zsuzsanna Gahse)
Zum Autor:
Ottó Tolnai, geboren 1940 in
Kanjiza in der Vojvodina (ungarischsprachige Region des heutigen Serbiens).
Er lebt in Palics. Tolnai ist als Lyriker, Prosaist, Dramatiker, Übersetzer
eine der wichtigsten Figuren in der zeitgenössischen ungarischen Literatur.
Er ist Chefredakteur der Veszprémer Zeitschrift Ex Symposion. Er
veröffentlichte zahlreiche Bücher in Ungarn und Jugosla-wien und erhielt
dafür zahlreiche Auszeichnungen (u.a. Brücken-Preis, 1967, 1980;
Attila-József-Preis 1991; Endre-Ady-Preis 1993). Auf Deutsch sind bislang
Beiträge in Zeitschriften und Antholo-gien erschienen.
Zu den
Übersetzern:
György Buda, geboren 1945 in Hutthurm (Bayern), bis
1956 in Ungarn, lebt in Wien. Studium der Geologie und Abschluß der
Übersetzer- und Dolmetscherausbildung in Wien. Übersetzungen aus dem
Ungarischen (u.a. Imre Kertész, László Krasznahorkai, Zsolt Láng, László
Darvasi, Péter Esterházy, László Garaczi, Endre Kukorelly, Lajos Parti
Nagy, Éva Petröczi, Sándor Tatár, János Térey, Rudolf Ungváry, Lajos
Parti Nagy).
Géza Deréky,
geboren 1951, lebt in Kecskemét, Ungarn. Übersetzt ins und aus dem
Ungarischen (u.a. Peter Hajnóczy, Peter Nádas, Ádám Bodor, Lajos Grendel,
Endre Kukorelly, Ottó Hévizi, Sándor Csoóri, László Márton, Ephraim Kishon,
Imre Kertész, Rudolf Kassner).
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