Verein Secession Lana Edition per procura Archiv für poesie Mailing List Links
home
die neuen Bücher

André Frénaud, Die Hexe Roms. Gedicht (französisch/deutsch)
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Marion Gees

ca. 150 Seiten, 11 x 17 cm, tapeziert mit Schutzumschlag
€ 12,00 / sfr 20
ISBN 3-901118-48-9/ Reihe abrasch 2
edition per procura 2002

Gesetz und Begierde, Anarchie und Ordnung, Vorherrschaft und Unterdrückung, Gewalt und Glückseligkeit, Schönheit und Verfall. Rom als triumphale Stadt. Rom als Monstrum. – Die rivalisierenden Kräfte in André Frénauds Dichtung La Sorcière de Rome ließen sich weiter fortsetzen. In seinem „discours de Rome“ schwankt der Dichter zwischen Demystifikation einer bis zum Schwindel glorifizierten Stadt und der Remythisierung eines durch unendliche Überlieferungen besetzten und immer wieder neu zu gewinnenden poetischen Terrains. Das Alltägliche kollidiert mit dem Mythos, Moderne und Antike verweben sich zu einem enigmatischen Geflecht, das seine spannungsvollen Fäden bis zum Ende im Ungewissen beläßt. Leitfigur dieser 15 lyrischen Sentenzen ist die Hexe, eine nur schwer auszumachende, aus vielen Facetten zusammengesetzte Figur, die durch diesen Text irrt. Wer ist sie? Eine Prophetin, eine Schwester Giordano Brunos, der wie sie auf dem Campo dei Fiori verbrannt wurde, der Dichter oder die Dichtung selbst, die um die Sprache ringt? Nach der Veröffentlichung des Langgedichts 1973 haben diese und andere Fragen zum Gedicht den Dichter selber keine Ruhe gelassen und immer wieder, bis zu seinem Tod im Jahre 1993, wird André Frénaud in einer Art unendlichem Kommentar auf sein Gedicht zurückkommen. Auszüge aus den Gloses à la Sorcière, die 1995 in Frankreich erschienen sind, hat die Übersetzerin Marion Gees ihrem Nachwort beigefügt.

Zum Autor:

André Frénaud (1907 Montceau-les-Mines –1993 Paris), Die ersten Ge­dichte Poèmes d'Avant-Guerre entstehen 1938/39, während der Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Deutschland die Poèmes de Brandebourg, die ihn bekannt machen. Nach seiner Flucht aus der Gefangenschaft (1942) schließt er sich der Résistance an. Neben mehreren Gedichtbänden, u.a. Poèmes de dessous de plancher (1949), Agonie du général Krivitski (1960), Il n'y a pas de paradis (1962), erscheint 1973 La Sorcière de Rome. Seine Dichtungen, die zu den bedeutendsten der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören, wurden in viele Sprachen übersetzt. Giuseppe Ungaretti, Franco Fortini und Eugenio Montale übersetzten und präsentierten sie in Italien und Spanien. In deutscher Sprache erschienen bisher nur die Gedichtauswahl Quelle der Quellen (hrsg. u. übersetzt von Paul und Marlis Pörtner, Darmstadt 1962) sowie in geringer Auflage zwei illustrierte Luxusdrucke mit ausgewählten Texten.

Zur Übersetzerin:

Marion Gees, geboren 1957, Studium der Germanistik und Romanistik in Bielefeld und Paris. Lehrte als DAAD-Lektorin für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Nantes (Frankreich). Promotion mit einer Arbeit über Robert Walser. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Oberstufen-Kolleg der Universität Bielefeld. Übersetzungen aus dem Französischen, Beiträge und Besprechungen zu moderner Literatur in verschiedenen Zeitschriften und Sammelbänden sowie für den Rundfunk. Lebt in Chemnitz.