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Franco Fortini,
Composita solvantur. Die späten Gedichte (italienisch/deutsch)
Aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Manfred Bauschulte
ca. 150 Seiten, 11 x 17 cm, tapeziert mit Schutzumschlag
Sfr 20 / 12,00
ISBN 3-901118-47-0 / Reihe abrasch 1
edition per procura 2002


Brecht übersetzend
Ein großes Gewitter
hing über den Dächern den ganzen Nachmittag
eh es barst in Blitzen, Wassergüssen.
Ich stückelte Zeilen aus Zement und Glas
wo Schreie waren, klagende Mauern und Gebein
auch von mir, der ichs überlebte. Aufmerksam, bald
die Schlacht
um die
Dachziegel bald das trockene Blatt betrachtend
hörte ich es sterben
das Dichterwort oder sich verwandeln
in eine andere, uns schon entfernte, Stimme. Die
Unterdrückten
sind
unterdrückt weil ruhiggestellt, die Unterdrücker sprechen
in aller Ruhe in die Telefone, der Haß ist höflich,
ich selber
glaube nicht
mehr zu wissen, wer schuld ist.
Schreibe, sage ich mir,
hasse
die da mit Sanftmut
ins Nichts führen
die
Männer und Frauen auf deinem Wege
die glauben, sie wüßten nicht. Unter die Namen
der Feinde schreibe auch den deinen. Das Gewitter
hat sich energisch verzogen. Die Natur
ist zu schwach für die Nachahmung der Schlachten. Die
Dichtung
bewegt nichts.
Nichts ist gewiß, dennoch schreibe.
Zum Autor:
Franco Fortini
(Florenz 1917–Mailand 1994), zählte als Lyriker, Übersetzer (u.a. von
Goethe, Brecht, Kafka, Kraus, Proust, Artaud, Frénaud, Eluard, Weil, Jószef)
und politischer Denker zu den einflußreichsten Figuren des zeitgenössischen
Italiens. Er arbeitete als literarischer Berater für Einaudi und Mondadori
und war Professor für Literaturkritik an der Universität von Siena. Auf
Deutsch sind erschienen: Poesie, aus dem Italienischen von Hans
Magnus Enzensberger (1963), Die Vollmacht. Literatur von heute und ihr
sozialer Auftrag, aus dem Ital. von Friedrich Kollmann (1968).
Zum Übersetzer:
Manfred
Bauschulte, geboren 1956 in Ibbenbüren
(Westfalen), Studium der Literatur und Religionswissenschaften und
Philosophie in Berlin und Bielefeld, lebt in Bardüttingdorf, arbeitet über
die Dichtungen von René Char (Gespräche mit Hypnos und Orion, erscheint in
naher Zukunft), Henri Michaux und Francis Ponge, ferner über die Bedeutung
des Schlafs nicht nur für die Literatur.
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