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die neuen Bücher
Olga Martynova / Jelena Schwarz
Rom liegt irgendwo in Russland
Zwei russische Dichterinnen im lyrischen Dialog über Rom
Gedichte
Russisch / Deutsch
Aus dem Russischen übersetzt von Elke Erb und Olga Martynova
80 Seiten, 11 x 17 cm, tapeziert mit Schutzumschlag
Reihe abrasch Nr. 10
Euro 15, SFR 22
ISBN: 3-901118-57-8

Lange bevor sich die beiden St. Petersburger Dichterinnen Jelena Schwarz und Olga Martynova im Winter 2001 in Rom begegneten und sich nachträglich die hier enstandenen Gedichte widmeten, waren sie längst dagewesen: „Eine Anthologie der russischen Gedichte über Rom ergäbe einen dicken Band. Aber nicht nur die Springbrunnen und Pinien dieser Stadt rascheln in unseren Büchern, seit zwei Jahrhunderten besiedeln die Russen Roms sieben Hügel“ schreibt Olga Martynova in ihrem Vorwort. Und einer Römerin, die bereits vor mehr als zwei Jahrtausenden diese Stadt bewohnte, hatte Jelena Schwarz schon vor über zwanzig Jahren ihre Stimme geliehen. Es ist Cynthia, die bis dahin stumm gebliebene Geliebte des Properz, die in den Cynthia-Gedichten von Jelena Schwarz ihren Properz endlich auch laut besingen kann: Amor ist schrullig – ich Arme liebe ein kahles Ungetüm und Wieder kam mein Properz zu mir zurück – / So ein Glück für Cynthia! / Verkratzt ist er, verweint, abgeschabt, / kahl, schmutzig, abgemagert.
Der epische Grundton in den Gedichten Jelena Schwarz‘ vermag es, wie hier, Hochkultur, aber auch Biblisches schonungslos ins Persönliche, und schlicht Alltägliches in verheißungsvoll Mythisches zu wenden. Davon geprägt sind insbesondere auch die vorliegenden Gedichte aus Rom. Ja, die Stadt Rom in ihrer einzigartigen und allgegenwärtigen Mischung aus triumphaler und verrottender Geschichte scheint geradezu geschaffen für das, was sich im wachen Fokus dieser Dichterin unter der Hand ins Gedicht verwandelt.
Mit größerer kritischer Zurückhaltung, aber auch unverhohlener Faszination und Abscheu begegnet Olga Martynova dem Wunder Rom: dass der schreckliche Marmor der römischen Kolonnaden / aus der Erde ragt, als wäre da / eine Kuh verscharrt mit dem Euter nach oben –. Das geheimnisvoll Ambivalente ihrer Gedichte entsteht aus dieser Zurückhaltung, eingesponnen in winterliche Befindlichkeit, in die Erinnerung an fremde Gedichte, Städte und Lieder, und in die Freude über eine Begegnung, die hier stattfand und Früchte trug.
Olga Martynova und Jelena Schwarz versprachen sich nach ihrem Zusammentreffen in Rom, die Gedichte, die in dieser Zeit entstanden waren, in einem Buch zusammenzuführen.


Jelena Schwarz wurde 1948 in Leningrad geboren. Studium der Theaterwissenschaften, Musik und Cinematographie. Ihre Werke konnten bis 1989 nur im Samisdat und im Ausland (USA) erscheinen. Dennoch wurde sie bereits als legendär gehandelt, als 1989 ihr erster Gedichtband (Himmelsrichtungen) erscheinen konnte und bereits am ersten Erscheinungstag ausverkauft war. Jelena Schwarz schreibt neben Gedichten auch längere Verspoeme, Prosa, Essays und Übersetzungen. Publikationen in russischer Sprache (Auswahl): Gedichte (1990), Lotion der Nacht. Poeme (1993), Das Lied eines Vogels am Meeresgrund. Gedichte (1995), Mundus Imaginalis. Das Buch der Abzweigungen (1996), West-östlicher Wind (1997). 1999 erhielt sie den angesehenen Literaturpreis Palmyra des Nordens. 2003 wurde ihre zweibändige Werkausgabe mit dem Triumph Preis ausgezeichnet. Ihre Gedichte wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Auf Deutsch liegen die Gedichtbände Ein kaltes Feuer brennt an den Knochen entlang (1997) und Das Blumentier (1999) vor.

Olga Martynova wurde 1962 in Dudinka, im Gebiet Krasnojarsk geboren, aufgewachsen in Leningrad. Hochschulabschluß für Russische Sprache und Literatur. Seit 1991 lebt sie in Deutschland. Zahlreiche Veröffentlichungen in russisch- und deutschsprachigen Periodika. Übersetzungen ins Deutsche, Französische und Englische. Seit 1999 schreibt sie regelmäßig Buchbesprechungen und Essays für deutschsprachige Medien. Im Jahr 2000 wurde ihr der Hubert-Burda-Preis für osteuropäische Lyrik verliehen. Publikationen in russischer Sprache: Schrittgang der Januargarten (1989), Der verrückte Grashüpfer (1993), Vier Jahreszeiten der Nacht (1998). Auf Deutsch liegt der Gedichtband Brief an die Zypressen (2001) und eine Sammlung mit Literaturkritiken und Essays Wer schenkt was wem (2003) vor.

Elke Erb wurde 1938 in der Eifel geboren, aufgewachsen in Halle, 1958–59 Landarbeit, 1963 Lehrerexamen, 1963–65 Verlagsarbeit. Seit 1966 freiberuflich. Kurzprosa, Lyrik, prozessuale Texte, Übersetzungen, Nachdichtungen, Herausgaben. Lebt in Berlin. Zahlreiche Preise und Buchveröffentlichungen. Zuletzt ist der Band Gänsesommer (2005) erschienen.