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die neuen Bücher
Amelia Roselli
Ausgewählte Gedichte
Italienisch / Deutsch
Aus dem Italienischen von Theresia Prammer und Alma Vallazza
Mit Kommentaren der Übersetzerinnen und zwei Texten von Giovanni Giudici und Andrea Zanzotto
Ca. 200 Seiten, 11 x 17 cm, tapeziert mit Schutzumschlag
Reihe abrasch Nr. 7
Euro 12, SFR 18
ISBN: 3-901118-53-5
Erscheint im Juli 2006

Wie ihrem biografischen, schmerzlich empfundenen Exilantentum, entspricht auch das Schreiben von Rosselli einer lebenslangen Unbehaustheit auf allen Ebenen – am auffälligsten in der Sprache. Nicht nur daß Rosselli v.a. in ihren ersten literarischen Versuchen ständig zwischen »ihren« drei Sprachen – dem Englischen, ihrer Muttersprache, dem Französischen, der Sprache ihrer Kindheit und ersten Schulbildung und dem Italienischen, der Sprache des Vaters und derjenigen, die ab Mitte der fünfziger Jahre zunehmend und zumindest auf der Oberfläche die beiden anderen verdrängen wird bzw. auf ihrer Suche nach einer sprachlichen Heimat zur Sprache der Ankunft wird – wechselt, sondern daß die jeweils anderen Sprachen immer latent, als Echo im Rhythmus, Klang und durch „fremdsprachige Lapsus“, die ihrerseits Neologismen kreieren, vorhanden bleiben. Wegen dieser sehr authentischen Vielsprachigkeit von Rosselli – auch ihr literarisches Tagebuch führte sie abwechselnd in den drei Sprachen –, in der sie zu einem äußerst privaten und experimentellen Vokabular vordringt, wurde sie wiederholt in die Nähe von Andrea Zanzotto gerückt, der über Rosselli geschrieben hat: „Wenn sie zu verstehen und damit sich zu verstehen äußerstes Wagnis bedeutet, wenn möglicherweise das, zu dessen Nachsprechen man aufgerufen ist, ohne letzten Sinn bleibt und die Sprecherin sich in den doppelten Boden einer letzten Ironie zurückziehen kann, gleichviel, sie wird dabei jedes Mal eine Wirklichkeit – und ein Gutes – an die Oberfläche geholt haben, dem man nicht widerstehen sollte.“
Zur sprachlichen Entwurzelung und Entfremdung erweisen sich in der Lyrik und Prosa Rossellis auch ihre großen Themen: der Liebe, des Religiösen und der Krankheit – Amelia Rosselli litt zeitlebens unter dem Trauma, das der gewaltsame Tod ihres Vaters auslöste – seltsam entrückt, indem sie meist aus der Perspektive ihrer subversiven, bedrohlichen Gewalt dargestellt werden.


Amelia Rosselli, wurde 1930 in Paris geboren. Als die Faschisten Vater und Onkel, Carlo und Nello Rosselli, zwei einflußreiche jüdisch-italienische Intellektuelle und Sozialdemokraten, ermorden, zieht die Familie nach England, in die Heimat der Mutter Marion Cave. Es folgen Jahre in den Vereinigten Staaten. 1946 kehrt Amelia Rosselli nach Italien zurück, wo sie sich ab 1950 in Rom niederläßt. Sie studiert Musiktheorie und Komposition. 1964 veröffentlicht sie ihren ersten Gedichtband, Variazioni belliche. Es folgen Serie ospedaliera (1969), Documento (1976), Primi scritti (1980), Impromptu (1981), Appunti sparsi e persi (1983), La Libellula (1985), Antologia (1987), Sleep. Poesie in inglese (1992) und Diario ottuso (1996) und. 1997 erschien eine Gesamtausgabe ihrer Gedichte (Le Poesie), 2005 ein Sammelband mit Aufsätzen zu Literatur und Musik (Una scrittura plurale). Auf Deutsch liegen bis auf wenige Gedichte in Anthologien und Zeitschriften noch keine Übersetzungen vor. Amelia Rosselli hat sich 1996 in Rom das Leben genommen.

Theresia Prammer, geboren 1973, lebt in Wien und Berlin. Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen. Aufsätze und Artikel zur italienischen Poesie der Gegenwart und zur literarischen Übersetzung. 1999 Übersetzerpreis der Stadt Wien. 2001 Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Alma Vallazza, geboren 1965, lebt in Wien. Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen und literarische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Herausgeberin der edition per procura.