|
*abrasch [pers.] der,-: von abr (die Wolke) oder
Raghä bzw. ragh (die Ader). Beabsichtigte oder unbeabsichtigte Farb
abweichung auf Orientteppichen.
Dichterisches Reden ist ein Teppichgewebe mit einer Vielzahl von
textilen Grundstoffen, welche sich voneinander lediglich durch die
Farbgebung bei der Ausführung unterscheiden, lediglich durch die
Partitur der ständig sich ändernden Befehle der Signallage.
Es ist ein Teppich von höchster Konsistenz, ganz aus Flüssigkeit
gewebt – ein Teppich innerhalb dessen die Wasser des Ganges,
verstanden als textile Thematik, sich nicht ver
mengen mit
Gewässerproben aus dem Nil oder Euphrat, sondern erhalten bleiben in
ihren verschiedenfarbigen Strängen, Figuren, Ornamenten, nicht aber in
ihrer Musterung, denn das Muster ist ja nichts anderes als eine
Nacherzählung. Schön ist das Ornament dadurch, daß es die Spuren
seiner Herkunft in der Art eines vorgeführten Naturausschnitts
bewahrt. Tierisch, pflanzenhaft, steppenartig, skythisch, ägyptisch –
wie national oder barbarisch auch immer es sei: stets ist es
sprechend, sehend, handelnd.
Das Ornament ist strophisch.
Das Muster – verzettelt zu Zeilen.
(O. Mandelstam, Gespräch über Dante, 1933)
|