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OBJET TROUVÉ, hrsg. von Alma Vallazza
2 Bde in einer Buchschachtel
Bd. 1: Stéphane Mallarmé, Ein Würfelwurf
Bd. 2: Éventail. Für Stéphane Mallarmé
zus. 280 S., 23,5 x 14,5, cm, br. mit Schutzumschlag
Limitierte und numerierte Auflage von 200 Exemplaren
ISBN 3-901118-42-X, edition per procura 2000
€ 62 / Sfr 100

Das Würfelwurfbuch ist 1966 in der Reihe der Walter-Drucke (hrsg. von Helmut Heißenbüttel und
Otto F. Walter) erschienen. Die Walter-Drucke im Walter-Verlag entsprachen einem sehr ambitioniert-bibliophilen und avantgardistischen Programm, in dem sich „die Veränderungen des literarischen Ausdrucks der Gegenwart abzeichnen und manifestieren“ sollten. (Ein kleiner Prospekt ist dem Buch eingelegt). Ende der sechziger Jahre verschwanden die Bücher aus dem Handel und waren nur noch antiquarisch erhältlich. Die Restauflage des Würfelwurfbuches hat damals die Übersetzerin desselben Marie-Louise Erlenmeyer aufgekauft. Vor einigen Jahren kaufte der Pforzheimer Unternehmer Rainer Bartels das Basler Haus der verstorbenen Marie-Louise Erlenmeyer und fand im Keller des Hauses die Bücher in ihrer originalen Verpackung. Rainer Bartels wandte sich mit seinem Fund an die edition per procura, die bereits einen Titel zu Mallarmé in ihrem Programm führte und 1998, anläßlich des 100. Todestages des französischen Lyrikers eine Gedenkveranstaltung in Lana organisiert hatte. Die Übernahme von 200 Exemplaren des Walter-Druck-Buches zu Mallarmé war somit ein willkommener Anlaß die Beiträge der Veranstaltung zu einem Supplement-Buch zu bündeln. Das Buch Ein Würfelwurf (Walter-Druck 10) enthält die erste auf Deutsch erschienene Übersetzung von Mallarmés wohl bekanntestem Gedicht, das zugleich das erste abstrakte Figurengedicht der Weltliteratur ist: Un coup de dés jamais n’abolira le hasard (Ein Würfelwurf wird nie aufheben den Zufall), den Originaltext, ein Wörter-Glossar und Erläuterungen zum Gedicht und andere von der Übersetzerin Marie-Louise Erlenmeyer ausgewählte, die Konzeption des Gedichtes erhellende Text- und Briefstellen von Stéphane Mallarmé.

Das Buch Éventail enthält u.a. eine Auswahl der bislang auf Deutsch unveröffentlichten Aufzeichnungen, das Buch betreffend von Stéphane Mallarmé (in seinem Testament hatte Mallarmé die Verbrennung dieser 258 Seiten mit Notizen zum großen Buch-Entwurf verfügt, das als eine Inszenierung aller „Teilbereiche“ des Buches, von der Gestaltung, Kalkulation, dem Vertrieb bis hin zu seinen öffentlichen Verlesungen konzipiert war; in Frankreich hat Jacques Scherrer 1958 das Manuskript erstmals transkribiert und herausgegeben, 1998 erschien im Rahmen der Pléiade-Ausgabe der Werke Mallarmés eine neu bearbeitete zweite Fassung, worauf die jetzt vorliegende deutsche Auswahl beruht), dazu einen einführenden Essay von Werner Dürrson, Neuüber-setzungen früher Gedichte Mallarmés von Thomas Schestag, Dichtungen nach zwei Texten Francis Ponges von Michael Donhauser, eine Auswahl aus dem Langgedicht Gedichte von Samuel Wood von Louis-René des Forêts in der Übersetzung von Manfred Bauschulte und Auszüge aus der Prosasammlung Übersetzt aus dem Schweigen von Joë Bousquet in der Übersetzung von Peter Natter. Neben einer ermittelbaren Nähe zu Mallarmé war für die Auswahl der einzelnen Texte das Moment des Fragmentarischen nicht als ein Scheitern sondern als eine bewußt gewählte Denkform verbindlich.

Die Korrespondenzen und Bezugnahmen zwischen den beiden Büchern sind vielfältige, von textlichen bis zu typographischen Übereinstimmungen, Verweisen und Anleihen. Mallarmés Konzept des integralen Buches wollte somit thematisiert sein. 

Zu den Autoren:

Manfred Bauschulte, geboren 1956 in Ibbenbüren (Westfalen), Studium der Literatur und Religionswissenschaften und Philosophie in Berlin und Bielefeld, lebt in Bardüttingdorf, arbeitet über die Dichtungen von René Char (Gespräche mit Hypnos und Orion, erscheint in naher Zukunft), Henri Michaux und Francis Ponge, ferner über die Bedeutung des Schlafs nicht nur für die Literatur.

Joë Bousquet, 1897–1950, blieb infolge einer Kriegsverwundung im Jahre 1918 gelähmt und zeitlebens an sein Bett und sein Zimmer in Carcassonne gebunden. Veröffentlichungen u.a.: Traduit du silence (1941; 1968), Mystique (1973), L'homme dont je mourrai (1974), Papillon de neige. Journal 1939–1942 (1980), Le Sème-Chemins (1981), Note-Book. Suivi D'une autre vie (1982), Les capitales ou de Jean Duns Scot à Jean Paulhan (1996).

Maurice Blanchot, geboren 1907 in Quain. Zahlreiche literarische und literaturtheoretische Veröffentlichungen seit den 40er Jahren, auf Deutsch sind u.a. erschienen: Die wesentliche Einsamkeit, aus dem Franz. von Gerd Henniger (1984), Der Wahnsinn des Tages, aus dem Franz. von Brigitta Restorff (1986), Sade, aus dem Franz. von Johannes Hübner (1986), Thomas der Dunkle, aus dem Franz. von Jürg Laederach (1987), Warten Vergessen, aus dem Franz. von Johannes Hübner (1987), Das Todesurteil, aus dem Franz. von Jürg Laederach (1990), Das Unzerstörbare. Ein unendliches Gespräch über Sprache, Literatur und Existenz, aus dem Franz. von Hans J. Metzger und Bernhard Wilczek (1991), Das Tier von Lascaux, aus dem Franz. von Eleonore und Hans-Jost Frey und Felix Philipp Ingold (1999).

Michael Donhauser, geboren 1956, lebt in Vaduz und Wien. Zahlreiche Gedicht- und Prosa-Veröffentlichungen, u.a.: Dich noch und. Liebes- und Lobgedichte (1991), Von den Dingen (1993), Livia oder die Reise. Roman (1996), Sarganserland. Gedichte (1998), Gärten. Paris (2000) und seine Übersetzung der späten Verse Arthur Rimbauds (1998).

Werner Dürrson, geboren 1932 in Schwenningen/Neckar. Studium der Musik und Literaturwissenschaft in Tübingen und München. Dr. phil. Lehrtätigkeit an der Universität Poitiers/Frankreich und in Zürich. Neuere Veröffentlichungen: Werke in vier Bänden (Lyrik und Prosa) (1992), Ausgewählte Gedichte (1995), Stimmen aus der Gutenberg-Galaxis, Essays zur Literatur (1997), Der verkaufte Schatten, Rumänische Elegien und Rumänisches Tagebuch (1997), Übersetzungen aus dem Französischen (Wilhelm von Aquitanien, Margarete von Navarra, Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé, Yvan Goll, René Char und Henri Michaux). Zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Mitglied des PEN-Zentrums, der Humboldt-Gesellschaft und der Association des critique littéraires, Paris. Lebt in Oberschwaben und Paris.

Louis-René des Forêts, 1918–2000, erlebte seine Jugend im Berry und in der Bretagne, gehörte als junger Mann der französischen Résistance an, nach dem 2. Weltkrieg war er viele Jahre Mitarbeiter im Verlag Gallimard. Sein bedeutendes, im Umfang jedoch schmales Werk besteht aus den beiden Romanen Les Mendiants (1943, 1986 édition dénitive) und Le bavard (1946, deutsche Übersetzung von Elmar Tophoven, 1968/1983), dem Erzählungsband La chambre des enfants (1960, deutsche Übersetzung von Friedhelm Kemp, 1993), sowie den beiden Langgedichten Mégères de la mer (1967) und Poèmes de Samuel Wood (1988). Diese beiden Texte sind bereits seinem unvollendeten Hauptwerk Ostinato (1997) zuzuordnen, einem Fragment-Buch, das alle literarischen Genres aufhebt. 

Peter Z. Herzog, geboren 1950 in Basel, lebt in Zürich, art & context research.

Stéphane Mallarmé, geboren am 18. März 1842 in Paris. 1863 Heirat mit der deutschen Marie Gerhard in London. Bis 1893 Lehrbeauftragter für Englisch an Lyzeen in Tournon, Avignon und Paris, ab 1877 empfängt Mallarmé in seiner Wohnung in der Rue de Rome regelmäßig Freunde und Künstler, unter ihnen Oscar Wilde, Stefan George, André Gide, Edouard Manet, Paul Valéry zu den legendären mardis, 1876 erscheint L'Après-rnidi d‘un faune, illustriert von Edouard Manet, 1887 Album de vers et de prose, 1888 erscheinen seine Übersetzungen Edgar Allen Poes Les Poèmes d'Edgar Poe, 1891 Pages mit einem Frontispiz von Renoir und 1893 Vers et prose mit einem Frontipiz von Whistler. Am 27. Januar 1896 wird Mallarrné in der Nachfolge von Paul Verlaine zum Prince des Poètes erwählt, 1897 erscheinen Divagations und Un Coup de dés in der Zeitschrift Cosmopolis. Am 9. September 1898 stirbt Mallarmé infolge eines Erstickungsanfalls in Valvins. Hérodiade bleibt unvollendet, die von Mallarmé vorbereitete Edition der Poésies wird erst posthum, 1899, erscheinen. Ebenfalls Vers de circonstance (1920), Igitur (1925), Le „Livre" de Mallarmé, hg. von Jacques Scherrer (1957), Les noces d'Herodiade (1959) und Pour un Tombeau d'Anatole (1961), Épouser la Notion (1980), und Correspondence complète 1862–1871, suivi des Lettres sur la poésie 1972–1898 (1995) und Lettres à Méry Laurent (1996). Auf Deutsch sind u.a. erschienen: Ein Würfelwurf (franz./dt.), übersetzt und erläutert von Marie-Louise Erlenmeyer (1966), Gedichte/Kritische Schriften (franz./dt.), 2 Bde., übersetzt und kommentiert von Gerhard Goebel, unter Mitarbeit von Frauke Bünde und Bettina Rommel (1993; 1998), Poèmes en prose/Gedichte in Prosa, übersetzt von Werner v. Wanitschek (1997), Sämtliche Dichtungen. Mit einer Auswahl poetologischer Schriften, übersetzt von Carl Fischer und Rolf Stabel (1992), Un Coup de dés/Ein Würfelwurf, übersetzt von Werner Dürrson, in: Akzente 2 (1992), Un coup de dés jamais n‘abolira le hasard/Ein Würfelwurf niemals tilgt den Zufall (franz./dt.), übertragen von Wilhelm Richard Berger, gestaltet von Klaus Detjen (1995). 

Peter Natter, geboren 1958, lebt in Hittisau/Vorarlberg. Studium der Romanistik und Philosophie. Lehrer. Übersetzungen von Joë Bousquet, Gabrielle Roy, Michel Surya.

Francis Ponge, 1899–1988, Mitarbeiter bei den Zeitschriften Nouvelle Révue française, Cahiers du Sud und Action. Verbindungsmann in der Résistance und bis 1947 Mitglied bei der Kommunistischen Partei. Buchveröffentlichungen: Douze Petits Écrits (1926), Le Parti pris des choses (1942), Dix Courts de la méthode (1946), Le carnet du Bois de Pins (1947; dt., in der Übersetzung von Peter Handke: Das Notizbuch vom Kiefernwald und La Mounine, 1982; 1995), Liasse (1948), Proêmes (1948), Le Peintre à l'étude (1948; dt. u.a. Texte zur Kunst, in der Übersetzung von Gerhard M. Neumann und Werner Spies, 1967), La Seine (1950), Cinq Sapates (1950), La Rage de l'expression (1952), Le Grand Recueil (1961), Pour un Malberbe (1965), Tome premier (1965), Le Savon (1967; dt. in der Übersetzung von Maria Bosse-Sporleder, 1993: Die Seife), Le Nouveau Recueil (1967), Entretiens avec Philippe Sollers (1970), La Fabrique du pré (1971), L'Atelier contemporain (1977), Comment une figue de paroles et pourquoi (1977), L' Écrit Beaubourg (1977), La Table (1982; 1991), Petite suite vivaraise (1983; dt. in der Übersetzung von Peter Handke, Kleine Suite de Vivarais, 1988), Nioque de l'Avant-Printemps (1983; dt., in der Übersetzung von Felix Philipp Ingold: Gnoske des Vorfrühlings, 1990) Pratiques d'écriture ou l'inachèvement perpétuel (1984; dt., in der Übersetzung von Felix Philipp Ingold: Schreibpraktiken oder Die stetige Unfertigkeit, 1988), Correspondence J. Paulhan-Francis Ponge (1986), Nouveau Nouveau Recueil (1992). Ebenfalls auf deutsch sind die von Gerd Henniger übersetzten Bände mit ausgewählten Werken Lyren und Stücke. Methoden (1965; 1968) und Einführung in den Kieselstein und andere Texte (1986) erschienen.

Thomas Schestag, geboren 1956. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literatur, wissenschaft, der Germanistik und Philosophie in Berlin, Paris, Strasbourg und Zürich. 1990–1995 Dozent für deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Lajos-Kossuth-Universität in Debrecen (Ungarn), 1995–1997 Visiting Professor für deutsche Literatur an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Seit 1998 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Johann-Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Buchveröffentlichungen: para- (Lukrez, Hebel, Ponge); Parerga (Hölderlin, Schmitt, Kafka, Platon, Schleiermacher, Benjamin, Derrida); Asphalt (Benjamin); buk (Paul Celan); Mantisrelikte (Jean-Henri Fabre, Maurice Blanchot, Paul Celan). Übersetzungen aus dem Französischen (u.a. Blanchot, Ponge, Philippe Lacoue-Labarthe).

Alma Vallazza, geboren 1965 in Bozen, lebt in Wien. Seit 1995 Mitarbeit am PR-Projekt, Mitver-anstalterin der Kulturtage Lana, seit 1999 Herausgeberin der edition per procura. Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen (u.a. Gianni Vattimo, Jacques Roubaud, Honoré de Balzac, Amelia Rosselli).