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Honoré de Balzac THEORIE DES GEHENS Aus dem Französischen von Alma Vallazza Vorangestellt Piedestal von Thomas Schestag 140 S., 20,5, x 14,5, 1 Abb., kt. m. Schutzumschalg ISBN 3-901118-29-2, edition per procura / Edition Howeg 1997 17,60 / Sfr 29
Honoré de Balzacs Theorie des Gehens, auf den ersten Blick eine Marginalie im Saum der Comédie Humaine, entpuppt sich auf den zweiten Blick als deren theoretische Armatur. Die Theorie ihrer Entstehung. Fast hundert Jahre vor Freuds Psychopathologie des Alltagslebens entwirft Balzac um 1830, in mehreren Skizzen, eine Pathologie de la vie sociale, als deren Herz die Theorie de la démarche anzusehen ist. Diese Theorie, nicht nur des Gehens, sondern der Vorgehensweise, findet ihren Gegenstand weniger in den variierenden Bewegungen der Gehenden, als in der Beschreibung der Bewegung und im Vorgang des Schreibens. Die Theorie des Gehens, indem sie Schreiben und Beschreibung und Beschriebnes ineinanderwendet, hebt den Willen zum Stand und Gegenstand unmerklich aus den Angeln. Sie sucht, in den Merkmalen – oder Spuren – vor Augen, den Impuls oder Ursprung, der die Male im Schreibenden auslöst, und beide, den Malenden wie die Male, stigmatisiert. Wie kommt das Schreiben zustand, und aus welchem Grund kommt es nicht zu Stand, sondern bricht, im Lesen, anders und anders, auf? Die Theorie des Gehens, nicht nur der Vorgehensweise, und Methodik des Schreibens, und Lesens in Schriften, ist auch eine der Vergänglichkeit, nämlich Teilbarkeit der Spur. Sie schreibt, was zu lesen bleibt: Balzacs Testament. Balzacs Text, 1833 in vier Folgen der Zeitschrift L’Europe littéraire erschienen, hat bisher auf Deutsch in keiner Gesamtausgabe der Werke Balzacs Eingang gefunden. Die bislang einzige deutsche Übersetzung von W. Fred erschien unter dem Titel Theorie des Ganges 1969 bei Langen-Müller und ist seit langem vergriffen. »Was Balzac, der unbestechliche Chronist
und Kommentator der „Menschlichen Kömödie“ selbstkritisch (oder
selbstironisch) für eine „höchst langweilige Abhandlung“ hielt, erweist sich
bei heutiger Lektüre als ein fulminanter, zwischen fröhlicher Wissenschaft
und frivoler Poesie changierender Essay, in dem Anekdote und Zitat, Sottise
und genialischer Gedanken-blitz auf lockerste Weise sich zum Pastiche
verbinden.« Zu den Autoren: Honoré de Balzac (Tours 1799Paris 1850), schrieb zunächst unter Pseudonym Erzählungen und Kolportageromane um sich seinen Unterhalt zu sichern. Ständig unter finanziellem Druck leidend, arbeitete Balzac ab 1830 rastlos an seinem Lebenswerk, der an Walter Scotts historischem Roman orientierten Comédie humaine. Unvollendet, wird sie 91 Novellen und Romane umfassen. Thomas Schestag, geboren 1956. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literatur, wissenschaft, der Germanistik und Philosophie in Berlin, Paris, Strasbourg und Zürich. 1990–1995 Dozent für deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Lajos-Kossuth-Universität in Debrecen (Ungarn), 1995–1997 Visiting Professor für deutsche Literatur an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Seit 1998 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Johann-Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Buchveröffentlichungen: para- (Lukrez, Hebel, Ponge); Parerga (Hölderlin, Schmitt, Kafka, Platon, Schleiermacher, Benjamin, Derrida); Asphalt (Benjamin); buk (Paul Celan); Mantisrelikte (Jean-Henri Fabre, Maurice Blanchot, Paul Celan). Übersetzungen aus dem Französischen (u.a. Blanchot, Ponge, Philippe Lacoue-Labarthe). Zur Übersetzerin: Alma Vallazza, geboren 1965 in Bozen, lebt in Wien. Seit 1995 Mitarbeit am PR-Projekt, Mitver-anstalterin der Kulturtage Lana, seit 1999 Herausgeberin der edition per procura. Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen (u.a. Gianni Vattimo, Jacques Roubaud, Honoré de Balzac, Amelia Rosselli).
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